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Notfall Pflege

7. Februar 2014 von

Gedanken der Pflegeaktivistin Tania Zimmer

Pflege…………Und dann ist da noch…..
das schlechte Gefühl nach dem Dienst
und das Problem mit der Zeit

eigentlich hab ich doch der Frau Meier versprochen, dass sie endlich mal Baden gehen darf,keine Zeit dafür, sie muss sich leider noch etwas gedulden

irgend jemand wollte doch auch noch, dass ich kurz vorbeikomme, um zu helfen das Telefon zu bedienen
dann noch der Neuzugang in Zimmer 5, der sich alles andere als wohl fühlt,
für den ich mal gerne Zeit hätte für ein ausführliches Gespräch, aufmunternde Worte,
ihm einfach das Gefühl geben, er ist hier gut aufgehoben, wir sind für ihn da

Und die Dame im Rollstuhl wollte doch so gern mal draußen im Garten die Blumen begutachten
dann musste ich, wegen der Zeit im Nacken, Frau Huber schon wieder vertrösten, ich
wollte so gerne ihre rote Bluse suchen, die in den tiefen ihres Kleiderschrankes untergetaucht ist,wo sie die doch so gerne übermorgen an ihrem Geburtstag anziehen möchteFrau Müller hätte mir gerne endlich mal von ihren unzählig vielen Reisen erzählt, die sie gemacht hat und ich hätte ihr ja wirklich gerne zugehört, aber ich hab ja noch so viel zu tun

nach dem Abendessen musste auch schon wieder alles ganz schnell gehen, dabei wäre ich noch gerne zusammen mit den Bewohnern ein bisschen sitzen geblieben, einfach so zum reden, lachen…..

statt dessen, wartet die Küche aufs Geschirr, weil der Zeitplan sonst nicht passt, musste ich anfangen einige Bewohner ins Bett zu bringen, wir schaffen das sonst leider nicht………..

…….und all diese „Kleinigkeiten“ eben die sich nicht in Zahlen messen lassen, aber doch mit das Wichtigste an unserer Arbeit sind.
Diese Zwischenmenschlichen wichtigen Kleinigkeiten, die eigentlich unsere Arbeit erst zu dem machen, was sie sein sollte. Für die es kein Abrechnungssystem geben kann, und für die deswegen leider auch keine Zeit eingeplant wird. Es sind Kleinigkeiten, wie mal außer der Reihe, die Haare auf Lockenwickler drehen, weil Besuch kommt, mal Mensch ärgere Dich nicht spielen, einfach weil es Freude macht, Fotoalben anschauen, sich erzählen lassen darüber, Zuhören, außer der Reihe auch mal lachen, weinen, reden……….
statt dessen haben wir kaum noch Zeit, die „wichtigen“ Dinge, wie Waschen, Ankleiden, Behandlungspflege, Medikamente…..usw. in Ruhe zu erledigen, selbst dafür reicht die Zeit hinten und vorne nicht mehr, will man das so ausführen, wie es denn auch sein sollte, nämlich in Ruhe und Gewissenhaft.

Wir hetzen in allen Diensten , meist ohne Pause, immer mit dem Faktor Zeit im Nacken, durch die Flure der Pflegeheime, der Krankenhäuser und über die Strassen im ambulanten Dienst. Wir versuchen mit viel zu wenig Personal und viel zu vielen
Bewohnern pro Kopf, der Zeit im Nacken und der vielen Arbeit die es zu tun gibt immer im Bewusstsein, und das Ganze meist noch immer mit einem Lächeln im Gesicht, unser Bestmögliches zu geben.
Es gäbe so viel sehr gutes Pflegepersonal, welches leider schlichtweg einfach nicht mehr kann, und deswegen aus der Pflege aussteigt.

Traurig.

Wir arbeiten bis zur physischen und psychischen Erschöpfung und haben dennoch oft das Gefühl, nicht genug für die uns anvertrauten Pflegebedürftigen getan zu haben. Geschweige denn für uns selbst.

Wir haben ein schlechtes Gefühl, wenn wir „NEIN“ sagen und nicht mal eben kurzfristig einspringen, wir denken oft nach dem Dienst noch nach, ob wir denn auch nichts vergessen haben in der Hektik.

Und wissen genau, dieser Wahnsinn geht morgen, und übermorgen und immer so weiter…..

Unsere Politik sieht zu, macht hier ein Reförmchen und dort eins, flickschustert, versucht Löcher zu stopfen, aber scheint den Ernst der Lage nicht wirklich erkennen zu wollen, bzw. gings ja bisher immer irgendwie, sind wir doch die „stillen Helden“ wie
unsere Kanzlerin uns doch so schön nannte

Es ist an der Zeit, dass WIR endlich aufstehen und STOPP sagen. Dass wir aufstehen und etwas tun. Laut werden, für uns, für unsere Pflegebedürftigen, für unsere Kollegen und für alle nachfolgenden Generationen.

Wer nicht mehr still sein will, aktiv werden will und an einer Veränderung aktiv beteiligt sein möchte, für den gibt es inzwischen einige Möglichkeiten, das zu tun……..und eigentlich fast alle ohne viel Aufwand……… Hier noch was zum nachdenken. Es könnten Angehörige, Freunde und / oder bekannte sein

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Notfall???

Ich habs jetzt doch getan, den roten Knopf an der Klingel gedrückt.
Lange habe ich überlegt, ob das jetzt ein Notfall ist.
Das letzte Mal als ich gedrückt hatte, weil ich nicht mehr wusste, welcher Knopf der Fernbedienung der Anschaltknopf ist, und ich doch so gerne den Gottesdienst sehen wollte im Fernsehen, kam die Schwester und erklärte mir, das sei eine Notfallklingel, und das ist kein Notfall.
Ich weiß, die Schwestern sind zu zweit, und wir sind 30 Menschen hier, die zu versorgen sind.

Und die Schwester hat mir erklärt, dass es auch noch viel Papierkram zu erledigen gibt.
Ich weiß auch, die Schwestern haben mit uns alten Menschen viel zu tun, wenn ich noch könnte, wie ich wollte, dann müsste ich auch nicht immer klingeln, ich mach das ja nicht weil es mir Spaß macht.

Nun habe ich wieder geklingelt. Ich habe Durst und kann beim besten Willen den Verschluss der Wasserflasche nicht aufbekommen, die sind aber auch immer so fest verschlossen.

Ist das nun ein Notfall?? Ich soll viel trinken, heißt es, na dann wird es ein Notfall sein.

Was aber, wenn die Schwester gerade beschäftigt ist, und ich sie von wichtigen Schreibarbeiten weg hole? Hätte ich vielleicht doch nicht klingeln sollen? Kein Notfall. Und warten, ob die arme Schwester zwischendrin Zeit hat nach mir zu schauen?
Aber ich habe wirklich durst, und brauche Hilfe. Auch wenn es vielleicht für andere kein Notfall sein mag, für mich ist es gerade einer. Ich ärgere mich, dass ich es nicht einmal mehr schaffe, diesen Verschluss auf zu bekommen, und dafür die Klingel betätigen muss. Nun ist es aber leider zu spät, abschalten kann ich die Klingel nicht mehr. Ich hätte nicht klingeln sollen.

Ich kann nicht verstehen, warum man nicht einfach mehr Schwestern einstellt. Dann wäre doch allen geholfen.
Ich verstehe das nicht, ich bezahle doch sehr viel Geld dafür, dass ich hier versorgt werde, ich verstehe nicht, was
mit meinem Geld geschieht, verdienen die Schwestern doch sowieso viel zu wenig, für die Arbeit, die sie leisten müssen.
Ich kann nicht verstehen, warum gespart wird, am Personal, am Essen, an der Zuwendung……

Die Schwester hat mir erklärt, es würde überall gespart, deswegen seien sie jetzt immer nur zu zweit.
Und deswegen sitze ich hier und habe Angst, die Klingel zu betätigen, weil mir die armen Schwestern leid tun, die rennen doch schon so viel den ganzen Tag, und das nur weil gespart wird? So freundlich, wie früher sind sie auch nicht mehr, was ich verstehen kann, bei der vielen Arbeit, die sie leisten müssen.

Und dann klingel ich noch, wegen so einem blöden Verschluss einer Wasserflasche.

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Kein Notfall?

Für mich schon. Die Angst der Bewohner wird immer deutlicher.

Es kann nicht sein das Bewohner sich nicht trauen zu klingeln nur weil unsere Regierung es nicht hinbekommt etwas zu tun um die Pflege als Qualität statt Quantiät zu sehen. Weniger Bürokratie und mehr Pflegekräfte das wäre die perfekte Strategie.
Nun kommt auch noch dazu das es immer weniger Menschen gibt die sich zu Fachkräften ausbilden lassen möchten warum denn das ????
Ganz einfach der Verdienst. Warum soll ein Pflegehelfer auf seinen Lohn verzichten.

Er würde als Pflegeschüler weniger verdienen müsste aber aufgrund des Personalmangels genausoviel arbeiten.
Warum kann der Staat nicht statt das Geld den Banken in den Rachen zu werfen hier was sinnvolles tun.

Liebe Frau Merkel und deren nette Kollegen bedenken sie bitte auch sie werden einmal pflegebedürftig sein und dann, da ich bis 67.Jahre arbeiten muss ( womöglich mit Rollator am Bett stehe), würde ich sehr gerne ihre Pflege übernehmen. Dann viel Spass wenn sie weiter so die Pflege an den Limit treiben.

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